Als Fan von Städtereisen fotografieren Sie gerne Bauten und Monumente in den verschiedenen Metropolen. Doch irgendwie fehlt den Bildern ein Schuss Professionalität. Was auf dem kleinen Kameradisplay recht anschaulich ausschaut, verliert beim Betrachten auf dem Computermonitor schnell an Wirkung.

Eine gute Kamera alleine macht noch lange keine guten Fotos. Gerade Architekturaufnahmen sind sehr schwierig und verlangen viel Erfahrung. Damit sie gelingen, müs sen einige wesentliche Voraussetzungen erfüllt sein. Entscheidend ist neben der Ausrüstung der richtige Standpunkt.

STANDPUNKT WÄHLEN:
Die Grundüberlegung ist dabei, dass sich der Charakter des Gebäudes in der Aufnahme widerspiegeln sollte. Der Standpunkt entscheidet, wie realistisch das Gebäude auf dem Foto eingefangen wird. Das gilt besonders für moderne Bauwerke mit ihrer grenzensprengenden Formensprache. Machen Sie sich daher unbedingt die Mühe, um das Objekt herum zu gehen und es von allen Seiten zu betrachten. Und lassen Sie sich von anderen Fotografen inspirieren. Im Internet finden sich viele gelungene Abbildungen bekannter Gebäude, zum Beispiel auf www.flickr.com.

Das Problem bei der Aufnahme großer Gebäude aus der Nähe: Man fotografiert von unten nach oben, was zur Folge hat, dass eigentlich parallele Linien zusammenstürzen. Das Gebäude scheint nach hinten aus dem Foto herauszukippen. Es gibt Spezialobjektive, sogenannte Tilt-Optiken, die diesen Effekt aufheben können. Doch die sind sehr teuer. Günstiger ist es, das Gebäude – wenn möglich – aus größerer Entfernung und von einem erhöhten Standpunkt aus mit einem Teleobjektiv aufzunehmen. Die nun längere Brennweite schwächt den “Kippeffekt” deutlich ab. Den Feinschliff geben Sie dem Foto dann mit der Bildbearbeitung. Grundsätzlich lassen sich trapezfömige Verzerrungen gut entfernen. Wichtig dabei: Das Gebäude sollte auf dem Ausgangsfoto nicht formatfüllend abgebildet sein, da bei der Korrektur Bildelemente an den Rändern abgeschnitten werden. Am PC können Sie dann auch störende Bildelemente wie Stromkabel oder Verkehrsschilder entfernen. In Photoshop greifen Sie dabei am besten zum Kopierstempel und zum Ausbessern-Werkzeug. Versuchen Sie zudem nicht immer, das gesamte Objekt auf den Sensor zu bannen. Es ist gar nicht nötig, um die Wiedererkennbarkeit eines Gebäudes sicherzustellen. Beispiel neuer Reichstag in Berlin: Damit der Betrachter sieht, dass sich der Fotograf in der Kuppe des Reichtags befindet, muss dieser lediglich bestimmte Motive mit auf das Bild bannen. Dazu zählen die mit der Deutschlandflagge bewehrten Ecktürme. Ebenfalls wichtig ist, dass ein Foto durch den richtigen Ausschnitt verständlich und spannend zugleich wirken kann.

WEITWINKEL EINSETZEN:
Zur Grundausstattung des Architekturfotografen zählt zudem ein starkes Weitwinkelobjektiv. Bezogen auf das Kleinbildformat sollten es 24 Millimeter oder weniger sein. Dieses kommt bei der Fotografie von Innenräumen zum Einsatz. So lassen sich etwa breite Hallen damit ablichten. Wenn Sie kein Weitwinkel zur Hand haben, können Sie alternativ ein Panorama aus mehreren Einzelaufnahmen zusammensetzen. Das ist jedoch schwieriger als bei Landschaftsaufnahmen, da die Lichtverhältnisse meist lange Belichtungszeiten erfordern. Achten Sie darauf, alle Aufnahmen mit derselben Zeit-Blenden-Kombination aufzunehmen. Versuchen Sie außerdem, die Übergänge schon beim Fotografieren so zu wählen, dass sie nicht auf einen Lichtverlauf oder ein Muster zu liegen kommen.

Die tonnenförmigen Verzerrungen eines Extrem-Weitwinkelobjektivs wie eines Fisheyes können Sie zudem bewusst nutzen. Entscheidend für das Gelingen ist die absolut waagerechte Ausrichtung der Kamera und eine genau überlegte Aufstellhöhe.

PASSENDES FORMAT WÄHLEN:
Unterschätzen Sie nicht die Bedeutung des Bildformats für die Bildwirkung. Ob Hoch- oder Querformat, entscheidet das Motiv. Wolkenkratzer, Türme oder Obelisken wirken im Hochformat am imposantesten. Schlossanlagen oder Brücken fühlen sich im Querformat am wohlsten. Für kubische Motive kommt ein quadratischer Ausschnitt in Betracht. Am besten fertigen Sie am PC mehrere Beispiele an und stellen Sie nebeneinander.

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